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Evangelische Kirchengemeinde Poseritz    

Die Kirche in Poseritz

Die Kirche in Poseritz/Rügen Unsere geschichtliche Kenntnis beginnt mit dem Jahr 1313, als Poseritz erstmalig urkundlich erwähnt wird. Zu dieser Zeit wurde auch unsere Kirche erbaut, zunächst nur das Hauptschiff. Es war zunächst dreischiffig geplant, also mit zwei Säulenreihen, dann aber wurde dieser Plan aufgegeben. Das Schiff erhielt eine durchgehende Holzdecke. Der Turm wurde um 1450 angefügt, nachdem das Gotteshaus auch im Osten um den Chor erweitert worden war. Aus jener Zeit stammen auch die größere Glocke, die von Fachleuten wegen ihres besonderen Klanges gerühmt wird, und die Kreuzigungsgruppe im Chor. Zu dieser Epoche gehört auch der Einbau des Gewölbes in das Hauptschiff. Allerdings wurde damit ein statisches Problem geschaffen, das mit großem Aufwand vor einigen Jahren erst behoben werden konnte: Weil man bestimmte Kräfte unterschätzt hatte, gab es die Gefahr, daß die Kirche hätte auseinanderbrechen können. Auch der Turmanbau erwies sich bald als problematisch. Er war mit nur drei Wänden an die Westwand der Kirche "geklebt" worden. Als sich der Baugrund unter dem Turm unter dessen Last verdichtete, entstand ein gefährlicher Längsriss. Schon um 1590 wird urkundlich davon berichtet Man kann heute noch sehen, wie dieser Riss mit flachen Ziegelsteinen ausgebessert wurde. Inzwischen war die Reformation in Pommern eingeführt worden. Nach dem 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) kam Rügen unter schwedische Hoheit. Nach den grausigen Verwüstungen der Kriegsjahre folgte nun eine vergleichsweise gute Zeit. In der Kirche ist das an der barocken Ausstattung zu sehen. Der Altar von 1703 aus einer Stralsunder Werkstatt trägt das Wappen des Schwedenkönigs Carls XII. Auf diesem Altar ist der Lebensweg Jesu dargestellt. Unten beginnend mit einer kleinen Krippendarstellung und einem Taufbild folgt in der Mitte die Darstellung des Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern. Darüber befindet sich das größte der Bilder, das von der Kreuzigung, darüber dann die Auferstehung Jesu und ganz oben die Himmelfahrt. 1753 wurde dann die Kanzel und auch der Emporenkranz eingefügt. Die Orgel entstammt dem 19. Jahrhundert. Eine große Renovierung erlebte die Kirche kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Aus den DDR-Zeiten ist zunächst nur von einer Reparatur der Turmhaube nach einem Sturm Ende der 1960-er Jahre zu berichten. Bald wurden auch die großen baulichen Probleme der Kirche erkannt. Allein, es fehlten die Baukapazitäten, die anstehenden großen Reparaturen durchzuführen. Von 1987 bis 1993 konnte die Kirche von der Gemeinde nicht genutzt werden. Auch musste das Geläut schweigen. Im Herbst 1988 wurde der Kirchengemeinde von den staatlichen Stellen erstmals eine größere Baukapazität zugesprochen. Der Plan zur Sanierung des Chordachstuhls musste jedoch geändert werden. Nachdem die Dachhaut entfernt worden war, wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar, und man entschloss sich zum Neubau der ganzen Konstruktion. Durch die Ereignisse der Wende entstand zunächst eine Pause. Im Sommer 1991 wurden dann wieder Gerüste aufgestellt. Der Dachstuhl über dem Hauptschiff wurde erneuert. Auf der Mauerkrone wurde ein Ringanker aus Beton und Stahl errichtet, um die statischen Probleme zu lösen. 1992 folgte die Sanierung des Außenmauerwerks. Gleichzeitig begannen ABM-Kräfte innen, den schadhaften Putz abzuschlagen. 1993 wurde der Turm eingerüstet. Auch er bekam zur Sicherung Ringanker. Außerdem wurde der Turmhelm mit neuen Eichenschindeln versehen. Nachdem im 2. Weltkrieg die kleinere Glocke der Rüstungsindustrie zum Opfer gefallen war, konnte am 19.09.1993 eine neu gegossene und auf die alte genau abgestimmte Glocke geweiht werden. Seitdem dient das Gotteshaus auch wieder der Gemeinde zu Gottesdiensten. Außerdem besuchen vor allem im Sommer Touristen unsere Kirche. Durch eine Spende einer königlichen schwedischen Stiftung konnte der Altar vor einigen Jahren gesäubert und gesichert werden. Jetzt wartet der Innenraum dringend auf seine Sanierung. Das größte Problem dabei ist die Beschaffung der notwendigen Finanzen, nachdem die bisherige Sanierung etwa 600.000,00 € gekostet hat. Hoffen wir, dass auch künftige Generationen den Wert dieses Gebäudes erkennen, das seit mehr als 600 Jahren die Menschen einlädt, nach dem Wesentlichen im Leben zu suchen: Nach dem, was bleibt.

   

Zur Ausstattung:
Triumphkreuzgruppe:
um 1450. Die Körper wurden 1703 auf dem Gewölbe abgelegt und überdauerten bis zur Renovierung der Kirche 1936. Ein einfaches neues Kreuz wurde angefertigt


Altar
Gemauerte Mensa, Segmentbogennische in der Rückseite. Eine viereckige Nische mit eisenbeschlagener Holztür in der Südseite. Für den barocken Altaraufsatz nachträglich nach Süden verbreitert.
AUFSATZ: 1703 aus Kiefernholz, Reliefbilder. Im Sockel Mittelkartusche mit Abendmahlsszene. Darüber Hauptteil mit Kreuzigung und im etwas kleineren Oberteil Auferstehung Christi. Abschluß durch Himmelfahrtsszene, 2 Wappen Carls, XII. von Schweden. 1999/2000 mit Hilfe des "KONUNG GUSTAF VI ADOLFS FOND FÖR SVENSK KULTUR" gereinigt und gesichert.
ALTARSCHRANKE: 1703, Felderteilung, in offenen Füllungen gedrehte Säulchen. Auf den Pfosten Ornamentsrelief mit Leidenswerkzeuge tragenden Putten. 1935 - neu bemalt.
ALTARPLATTE: mittelalterlich, südlich vom Altar im Fußboden mit fünf Weihekreuzen, zwei verdeckt.

BEICHTSTUHL: Vermutlich 18. Jahrh., im Gefolge des schwedischen Pietismus gibt es im Schwedischen Teil Pommerns protestantische Beichtstühle.

KANZEL:
1755 von N.J. Freese aus Stralsund erbaut. Rechteckiger Korb auf kelchförmiger Konsole. An der Vorderseite Reliefbild mit predigendem Christus. Rechteckiger Schalldeckel, auf den Ecken spielende Putten. Volutenkrone mit Wolkenkranz und Gottes-auge im Strahlenkranz. In Füllungen der Treppenbrüstung und als Rahmung des Reliefs Rocaille-Ornament; Wappenrelief des Pastors Geist (drei Blumen, Helmzier: Taube) und Monogramm des Stifters "G.D.G." (Gottfried David Geist). Eingeschnittene Inschrift in graumarmorierter und goldener Bemalung .

Taufe:
Gotische Taufschale, beschädigt, in der Nord-Ost-Ecke der Kirche

Fenster:
Gotische Fenser, im 18. Jhdt. verblendet und mit Gussrahmen versehen. In den Kleeblattmustern des oberen Teils einzelne Farbscheiben nach vorhandenen Vorbildern.

Glocken:
1. Um 1450 aus Bronze mit Minuskelinschrift am Halsband: "O rex glorie xre, veni cum pace". Zwischen den Worten Abdrücke von Pilgerzeichen. Schlagton b', 450 kg
2. 1992, aus Bronze. Gießerei Bachert, Heilbronn. Inschrift: "Ehre sei Gott in der Höhe".
Schlagton des'', 288 kg


Orgel: Fischer, Demmin, 19. Jahrh., ein Manual, mechanisch.

 
 
     

 

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